Würzburg (POW) 3831 Frauen und Männer haben im Jahr 2025 die zehn Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) des Bistums Würzburg zu Beratungsgesprächen aufgesucht. Weitere 76 Personen wurden online beraten. Insgesamt 2253 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren waren von den erbrachten Beratungen mitbetroffen. Das geht aus dem Jahresbericht 2025 hervor. Herausforderungen und Unsicherheiten prägten die heutige Zeit. Hinzu komme bei vielen Menschen zunehmend das Gefühl, ständig überfordert, gehetzt und am Rande der Leistungsfähigkeit zu sein. Es brauche Mut, um neue Wege heraus aus der Stressfalle und der Unzufriedenheit zu gehen. „Mut haben und Veränderung wagen, dabei begleitet die EFL“, schreiben Domkapitular Albin Krämer, Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, Wolfgang Scharl, Leiter des Referats für Ehe-, Familien- und Lebensberatung, sowie Christian Hohm, Leiter der Abteilung Diakonische Pastoral, im Vorwort.
Gesellschaftliche Einflüsse wirken weit ins Private hinein und belasten auch Paar- und Familienbeziehungen. Gerade junge Eltern mit all den Anforderungen in Beruf, Kindererziehung, Hausbau oder Wohnungsgestaltung sowie nicht selten auch Herausforderungen in ihren Beziehungen zur Herkunftsfamilie und in der Paarbeziehung gerieten oft in eine „Stressfalle“. Ein Schwerpunkt lautet deshalb „Belastung von Paarbeziehungen durch gesellschaftliche Bedingungen und Überforderung“. Wege aus der Familien-Burnout-Falle will Scharl aufzeigen. Es geht um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Care-Arbeit sowie Begriffe wie Mental-Load und Emotional-Load. Diyap Yesil, EFL-Stellenleiter in Schweinfurt, untersucht die Dynamiken, die in Paarbeziehungen entstehen, wenn einer oder eine von beiden zunehmend den Mental Load trägt, und zeigt den Weg zurück in die Partnerschaft. Mit dem Einfluss von struktureller Diskriminierung und ungerechten Machtstrukturen auf Paarbeziehungen befasst sich Anette Jacobi, EFL-Stellenleiterin in Würzburg.
Die Beratung steht jedem offen, unabhängig von Konfession, Nationalität, Weltanschauung, Familienstand oder geschlechtlicher Orientierung, betont die EFL auf ihrer Homepage. Beratung kann in Präsenz oder über Telefon und Video in Anspruch genommen werden. Zusätzlich bietet die EFL im Verbund der sieben bayerischen (Erz-)Diözesen Onlineberatung per E-Mai oder Chat an. Insgesamt wurden im Jahr 2025 3907 Personen beraten (2024: 3626). Davon bezeichneten sich 2304 als weiblich (59 Prozent), 1601 als männlich (41 Prozent) und zwei als divers. Bei einer Person fehlte die Angabe. Die meisten Beratungsfälle wurden in der Region Schweinfurt (1281) bearbeitet, gefolgt von Aschaffenburg (1175) und Würzburg (1117).
Insgesamt wurden 15.065 Beratungsstunden geleistet, davon 178 in der Onlineberatung. Der Schwerpunkt lag auf Einzelberatung (49,1 Prozent) Paarberatung (48,8 Prozent). 93 Prozent der Beratungen fanden in Präsenz, vier beziehungsweise zwei Prozent als Telefon- oder Videoberatung und knapp ein Prozent als Onlineberatung per E-Mail oder Chat statt. Insgesamt wurden 1556 Fälle abgeschlossen. 71 Prozent aller Beratungsfälle waren nach fünf oder weniger Kontakten beendet. Die Hälfte der Klienten war zwischen 30 und 9 Jahre alt. 17 Prozent waren älter als 50 Jahre, 26 Prozent älter als 60 Jahre, etwas mehr als sechs Prozent waren jünger als 29 Jahre. Zehn Prozent machten keine Angaben.
Eine wichtige Rolle spielte die Fortbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bei einem Online-Workshop zum Thema geschlechtliche Identität bekamen sie einen Überblick über wichtige Begriffe– etwa Geschlecht, trans* Personen, nicht-binär oder Transition – sowie neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Sie befassten sich mit dem Thema der Diskriminierung betroffener Menschen und lernten hilfreiche und stärkende Ressourcen und Kompetenzen kennen, beispielsweise Selbsthilfestrukturen.
Seit März 2024 übernimmt die EFL die Aufgabe der Erstinformationsstelle für Betroffene, die als Minderjährige oder als schutz- oder hilfebedürftige Erwachsene sexuellen Missbrauch im kirchlichen Kontext erfahren haben. Aufgabe ist es, Betroffenen oder deren Erziehungsberechtigten oder Betreuern/ Betreuerinnen eine umfassende und ergebnisoffene Information über das kirchliche Aufarbeitungs- und Anerkennungsverfahren sowie zu Beratungs-, Hilfs- und Unterstützungsangeboten zu geben, so dass sie eine fundierte und selbstbestimmte Entscheidung darüber treffen können, ob sie in ein kirchliches Anerkennungsverfahren eintreten möchten. Auf Wunsch erfolgt die Beratung anonym.
Sprache soll kein Hindernis sein. So bietet beispielsweise die Beratungsstelle Aschaffenburg Beratung auf Englisch, Französisch und Spanisch an, zudem können ein Übersetzer oder eine Übersetzerin hinzugezogen werden. In der Beratungsstelle Schweinfurt gibt es kultursensible psychologische Beratung. Die Beratungsstelle Würzburg bietet unter anderem Beratung in der Justizvollzugsanstalt Würzburg sowie für Menschen mit Hörbeeinträchtigung an.
Die EFL ist mit zehn Beratungsstellen in der Diözese vertreten: Beratungsstelle Aschaffenburg mit den Nebenstellen Alzenau und Miltenberg, Beratungsstelle Schweinfurt mit den Nebenstellen Bad Kissingen, Bad Neustadt und Haßfurt sowie die Beratungsstelle Würzburg mit den Nebenstellen Lohr am Main und Kitzingen. Mit fast zwei Millionen Euro trug die Diözese 78 Prozent der Kosten für die Beratungsstellen. Der Freistaat Bayern gab rund 190.000 Euro an Zuschüssen (7,6 Prozent), Kommunen und Kreise rund 161.000 Euro (6,4 Prozent). Die Spenden von Klienten betrugen rund 53.000 Euro (2,1 Prozent).
Der Jahresbericht 2025 kann im Internet unter www.eheberatung-wuerzburg.de heruntergeladen werden.

