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Leise Töne treffen auf afrikanische Lebensfreude

Würzburger Mädchenkantorei erlebt in der tansanischen Partnerdiözese Mbinga eine außergewöhnliche Begegnung mit Musik, Tanz und großer Herzlichkeit

Mbinga/Würzburg (POW) Konzerte hat die Mädchenkantorei am Würzburger Dom schon viele gegeben – aber was die 43 Sängerinnen derzeit unternehmen, ist doch etwas Besonderes. Gemeinsam mit ihren Betreuern sind sie am Samstag, 29. August, im tansanischen Mbinga angekommen. In der Partnerdiözese des Bistums Würzburg geben sie derzeit mehrere Konzerte und gestalten Gottesdienste. Dabei haben sie schnell festgestellt: Mehr als 7000 Kilometer von zu Hause entfernt läuft vieles anders.

„Hier ist alles viel offener und nicht so förmlich wie in Deutschland“, sagt Carla nach dem zweiten Konzert am Dienstag, 1. September, in Matiri. Die Pfarrei liegt etwa anderthalb Stunden von Mbinga entfernt und ist mit 32.000 Katholiken die größte des Bistums. Wie schon beim ersten Konzert am Sonntag, 30. August, in Litembo werden die Sängerinnen am Ortseingang von einer Menschenmenge begrüßt. „Man wird hier so herzlich empfangen mit lauter Musik, die Leute umarmen einen, begleiten einen in einem Festzug“, erzählt Sarah. Nachdem der Chor aus dem Bus ausgestiegen ist, umringen Kinder, Jugendliche und Erwachsene die Sängerinnen. Manche ergreifen die Hände der Besucherinnen aus Deutschland und beginnen, mit ihnen zu tanzen. Das alles ist sehr laut, manchmal auch ein bisschen eng, und nicht jede kann sich sofort damit anfreunden. Doch die überschäumende Herzlichkeit der Gastgeber steckt an.

In Deutschland stehen vor einem Auftritt normalerweise Stimmbildung und Einsingen auf dem Programm. Doch dafür lassen die Umstände an diesem Tag keine Zeit. Eine kurze Stellprobe und das Ansingen einiger weniger Lieder müssen reichen, dann geht es los. Ungewöhnlich ist auch die Uhrzeit des Konzerts. Um 12.30 Uhr ist die große Pfarrkirche mit Besuchern gefüllt. Mehr als 500 Menschen – Kinder, Jugendliche, Alte, Mütter mit Säuglingen und Mitglieder von Chören der Gemeinde – suchen sich einen Platz. Schon das erste Lied, zu dem die Mädchenkantorei von hinten in die Kirche einzieht, zeigt den Zuhörern: Das wird jetzt anders als ein afrikanisches Konzert. Unter der Leitung von Domkapellmeister Alexander Rüth und seinem musikalischen Assistenten Jakob Keller singen die Mädchen das Konzertprogramm „Glaube – Hoffnung – Liebe“, das sie im Juni erstmals in der Würzburger Neumünsterkirche aufführten.

Leise, nachdenkliche Melodien wechseln sich mit freudigen und rhythmischen Liedern ab. Eines der Highlights ist das deutsche Volkslied „Kein schöner Land“, das Rüth mit einem Swahili-Text verbindet. Auf jeden Fall ist das eine andere Musik als die Begrüßungsgesänge der Gastgeber. Die Zuhörer trauen sich zunächst gar nicht, nach den Liedern zu klatschen. Das verändert sich im Verlauf des Konzerts. Pastoralreferent Burkhard Pechtl, Afrikareferent bei der Diözesanstelle Weltkirche, begleitet die Tour des Chores. Nach dem Konzert sagt er: „Die Leute haben sehr wohl wahrgenommen, dass die feine Ausdifferenziertheit, die Mehrstimmigkeit und die leisen Töne dieser Art von Chormusik auch eine gewisse Ruhe braucht, und darauf haben sie sich eingelassen.“ Es entsteht der Eindruck, dass sich ein großer Teil des Publikums sehr darauf konzentriert, was die Besucherinnen aus dem fernen Deutschland aus ihrer Kultur mitbringen.

Ein bisschen unsicher sind die Mädchen am Ende zunächst schon, wie ihre so ganz andere Art des Musizierens bei den Gastgebern ankommt. Und das klärt sich schnell. Yolanda erzählt am Abend nach dem Konzert: „Wir haben von vielen danach gehört, dass sie es schön fanden, dass sie mal was anderes gehört haben, auch mal ruhigere Lieder. Und ein Priester hat mir gesagt, dass ihm das voll gefallen hat, weil er da wirklich Emotionen spüren konnte.“ Father Celestine, der Verwalter der Diözese Mbinga, reist gemeinsam mit dem Würzburger Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran von Mbinga nach Matiri und kommt mit dem Ortspfarrer Father Adolar zum Konzert. Am nächsten Morgen erzählt er den Mädchen, dass er von Verwandten aus der Gegend von Matiri angerufen wird, weil sie von dem Konzert so begeistert sind.

Der Schlussapplaus fällt jedenfalls mehr als herzlich aus. Viel Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, bleibt sowieso nicht. Nach dem Konzert gibt es, wie schon zuvor in Litembo, einen großen Empfang für den Chor, seine Betreuer und den Würzburger Generalvikar. Vier der insgesamt acht Chöre der Pfarrei und zwei Rhythmusgruppen sorgen mit ihrer Musik für ausgelassene Stimmung. Domkapellmeister Rüth beschreibt es so: „Ich bin beeindruckt, mit wie viel Selbstbewusstsein die Tansanier uns ihre Kultur zeigen, mit welcher Hingabe, Leidenschaft und Spannung im Körper, in der Mimik und Gestik sie das transportieren.“ Wohl auch deshalb stehen bald einige der deutschen Gäste auf und tanzen mit. „Ich habe den Eindruck, dass unsere Mädchen das so ein bisschen aufgesogen haben und es in ihre Art und Weise des Singens mitgenommen haben“, sagt Rüth. Ein bisschen habe er gehofft, dass genau das passiert.

Nach dem ausführlichen Empfang, bei dem auch Dankesreden gesungen und Geschenke überreicht werden, gibt es endlich ein Mittagessen. Danach macht sich der Chor erschöpft und glücklich auf den Rückweg nach Mbinga. Zuvor klatschen die Sängerinnen noch viele Hände ab und umarmen Menschen. Paulina findet es wunderschön zu erleben, wie Musik Menschen über Grenzen hinweg verbindet. „Wir kennen die Sprache ja nicht, können nur Hallo und Danke sagen, aber wie wir uns mit so kleinen Fetzen von Sprache, der Musik, dem Tanz, einfach so mit einer ganz anderen Kultur verbinden können, ist einfach wunderschön“, sagt die begeisterte Chorsängerin.

Pechtl begleitet zum ersten Mal eine derart große Gruppe aus Deutschland durch die Diözese Mbinga. Er ist sich sicher: „Diese Art von kultureller Begegnung hat es hier, im südwestlichen Teil Tansanias, noch nicht gegeben.“ Der Chor und seine Betreuer kehren am 11. September wieder nach Deutschland zurück.


Aus Mbinga berichtet Burkard Vogt (POW)

Weitere Bilder finden Sie hier: https://bistum-wuerzburg.px.media/share/1788429405H4lXKOdK2HT4EV

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