Würzburg (POW) Die Diözesanleitung der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Würzburg sieht erheblichen Reformbedarf bei der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). „Eine große Gesundheitsreform ist längst überfällig“, erklärte Diözesanvorsitzende Theresia Erdmann.
Die KAB hat sich laut einer Pressemitteilung mit dem Bericht der Finanzkommission Gesundheit sowie einem Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums auseinandergesetzt und zentrale Punkte bewertet. Grundsätzlich müsse das Solidarprinzip im Mittelpunkt stehen, betonte Diözesanvorsitzender Robert Reissert.
Solidarität bedeute, dass Stärkere mehr tragen, zugleich aber auch Eigenverantwortung gefragt sei: „Solidarität ist keine Einbahnstraße.“ Im Mittelpunkt des Gesundheitssystems müsse der Mensch stehen. Bei Krankheit oder nach Unfällen, bei Behinderung oder Pflegebedürftigkeit müsse jeder Einzelne auf das solidarische System vertrauen können.
Kritisch sieht die KAB die Finanzierung sogenannter versicherungsfremder Leistungen. Die Kosten für Bürgergeldempfänger müssten vollständig aus Steuermitteln gedeckt werden. Außerdem hält die KAB die beitragsfreie Ehegattenversicherung ohne Betreuungsaufgaben für diskussionswürdig. „Bei Betreuungsleistungen wie Kinder bis zwölf Jahren oder Pflegebedürftigkeit ist die Mitversicherung auch weiterhin notwendig“, betont die KAB.
Ein moderates Anheben von Zuzahlungsgrenzen ist in den Augen der KAB vertretbar. Deutlich ausbauen will sie dagegen die Prävention. Diese müsse früh beginnen und stärker finanziert werden. Auch höhere Steuern auf Tabak, Alkohol und zuckerhaltige Getränke werden befürwortet.
Positiv bewertet die KAB das Zweitmeinungsverfahren vor Operationen. Bei der Homöopathie spricht sie sich gegen pauschale Streichungen aus und plädiert für Entscheidungen der Krankenkassen im Wettbewerbssystem. Das Krankengeld bezeichnet die KAB als wichtiges sozialpolitisches Instrument, das stärker mit Reha- und Präventionsangeboten verzahnt werden solle.
