Würzburg (POW) Bei einem Gottesdienst am Freitagabend, 25. September, in der Kapelle des Exerzitienhauses Himmelspforten in Würzburg ist Domvikar Paul Weismantel (71) offiziell in den Ruhestand verabschiedet worden. Zahlreiche Wegbegleiterinnen und -begleiter sowie Ordensangehörige waren gekommen, um mit dem ehemaligen Spiritual des Priesterseminars, Ordensreferenten des Bistums Würzburg sowie Geistlichen Leiter des Exerzitienhauses zu feiern. „Wir wollen Gott Dank sagen, der Dich in den Dienst genommen hat, und Dir für Deinen Dienst als Priester danken“, sagte Weihbischof Paul Reder, Regens des Priesterseminars und Ausbildungszentrums im Bistum Würzburg.
In seiner Predigt bezog sich Weihbischof Reder auf Worte aus dem Buch Kohelet: „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit.“ Es sei immer zweierlei, diese Worte zu hören und auch anzunehmen. Mit Blick auf das vielfältige Wirken Weismantels könne man hinzufügen: „Es gibt eine Zeit, Verantwortung zu tragen, und eine Zeit, Verantwortung loszulassen. Es gibt eine Zeit, anderen Orientierung zu geben, und eine Zeit, sich selbst wieder neu von Gott führen und orientieren zu lassen.“ Geistliche Begleitung bedeute für Weismantel, eine Seelsorge zu profilieren, die „im wahrsten Sinne des Wortes Lebenshilfe“ sei. „Geistliche Begleitung heißt bei Dir nicht: Ich weiß, wo du hinmusst. Sie bedeutet vielmehr: Ich höre mit dir hin, um wahrzunehmen, wohin Gott ruft.“ Es sei nicht der Spiritual, der aus einem Mann einen Priester mache. Vielmehr gehe es darum, einen Raum zu schaffen, in dem ein Mensch vor Gott ehrlich werden, sein und bleiben könne.
Der Tagesheilige Nikolaus von der Flüe – Soldat, Ehemann, Vater, Bauer, Ratsherr und schließlich Einsiedler – sei immer wieder an einen Punkt gekommen, an dem er bisherige Wege verlassen und einen neuen Kurs eingeschlagen habe, fuhr der Weihbischof fort. „Das Aufgeben von Verantwortlichkeiten und das Beenden von Aufgaben konnte er annehmen und hat gerade so die Frucht seines Dienstes in der neuen Lebenssituation nicht verloren.“ Der Weihbischof dankte Weismantel für seinen Dienst als Priester, für sein Hören, Begleiten, Fragen und Ermutigen. „Für die kommende Zeit wünschen wir Dir etwas von der Freiheit des heiligen Nikolaus von der Flüe.“ Dazu gehöre, loszulassen, ohne sich verlassen zu fühlen, und still zu werden, ohne sprachlos zu werden. „Und die Freiheit, neu zu entdecken, dass die eigene Berufung größer ist als die jeweilige Aufgabe, die Dich in Deinen vielfältigen Diensten in Beschlag genommen und verpflichtet hat. Nimm auch den neuen Lebensabschnitt an, zur Ehre Gottes. Er möge Dir dazu seine Gnade schenken und Deinen Dienst weiter segnen und fruchtbar machen.“
Generalvikar Dr. Jürgen Vorndran und Ordensreferentin Ursulinenschwester Johanna Ankenbauer würdigten das Wirken Weismantels in der Stabsstelle für Orden und geistliche Gemeinschaften. Sie habe die Zusammenarbeit als „offen, vertrauensvoll, freundlich und kollegial“ erlebt, sagte Ankenbauer. Sie hob Weismantels „poetische Ader“ hervor, die auch der Arbeit mit den Orden und geistlichen Gemeinschaften zugutegekommen sei, etwa in Form von Beilagen bei den Weihnachtsbriefen. Der Generalvikar blickte auf die Ernennung Weismantels zum Ordensreferenten zurück. Durch seine jahrelange Tätigkeit und Erfahrung in der geistlichen Begleitung, der Exerzitienarbeit und bei Besinnungstagen habe dieser im Vorfeld viele und gute Kontakte zu den Ordensgemeinschaften geknüpft: „Es eilte Dir der Ruf voraus, dass unsere Ordensleute Dir am Herzen liegen.“ Er würdigte Weismantel als verlässlichen Ansprechpartner in der Personalkonferenz und nannte besonders auch die Exerzitienangebote, die „immer gut und gerne“ angenommen worden seien. Er dankte ihm für sein Engagement als Ordensreferent und wünschte ihm für den Ruhestand alles Gute und Gottes Segen.
Zum Abschied überreichten Vorndran und Ankenbauer eine Topfpflanze als symbolisches „Lebensbäumchen“. Es soll ein Zeichen für alles Wachstum und Reifen sein, das Weismantel selbst erfahren wie auch bei anderen angestoßen und begleitet habe. Ankenbauer überreichte zudem eine kleine goldene Schale, darin Papierröllchen mit Sätzen von Ordensgründerinnen und -gründern von Gemeinschaften aus dem Bistum, sowie eine Kerze. Die Schale stehe für das Kostbare, das Weismantel in seinem Dienst eingebracht habe. „Du selbst bist ein Schatz, wie jeder Mensch“, sagte Ankenbauer. Die Zettel seien ein Zeichen der Verbundenheit mit den Orden, aber auch eine Inspiration für das eigene spirituelle Leben. Die Kerze symbolisiere das Licht, das Weismantel durch seine „sympathische, humorvolle, unkomplizierte Art“, aber auch durch seine Tätigkeit als Seelsorger und die Verkündigung des Evangeliums gebracht habe. Die Anwesenden spendeten Weismantel lange Beifall.
Dieser dankte sichtlich bewegt für alle guten Worte: „Das hat mich tief berührt.“ Sein beruflicher Weg sei mit „vielen guten Begegnungen und Erinnerungen“ gesegnet. „Für mich ist es der beste Beruf und die beste Berufung – zu sehen, wie der Geist Gottes unter den Menschen wirkt.“ Er freue sich nun auf die bevorstehende Sabbatzeit, aber auch darauf, weiter Gottesdienste und Exerzitien halten zu dürfen. In seinem Elternhaus sei der Spruch „An Gottes Segen ist alles gelegen“ gehangen. „So war es damals, so ist es heute, und so wird es in Zukunft sein.“

