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„Am Regal endet die Moral“

Gesprächsabend „Gemeinsam die Zukunft unserer Ernährung gestalten“ – „Die Unsicherheit bei Landwirten ist groß“ – Veränderung beginnt bei jedem Einzelnen

Werneck (POW) Warum ist es so mühsam, Leitplanken für eine zukunftsfähige Ernährung und Landwirtschaft zu setzen? Damit hat sich der Gesprächsabend „Gemeinsam die Zukunft unserer Ernährung gestalten“ am Montag, 2. Februar, für Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Landwirte und Landwirtinnen im Katholischen Pfarrzentrum Werneck befasst. Es diskutierten Klaudia Schwarz, ehemalige Leiterin des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt, Isabella Hirsch, Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), und Landwirt Sebastian Sauer aus Unterpleichfeld (Landkreis Würzburg). Veranstalter war die Katholische Landvolkbewegung (KLB) der Diözese Würzburg in Kooperation mit der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) Würzburg und dem Lernwerk Volkersberg.

Es sei „grob fahrlässig“, wenn die Vorschläge der „Borchert-Kommission“ und der „Zukunftskommission Landwirtschaft“ zerredet oder auf die lange Bank geschoben würden, sagte Moderator Dr. Wolfgang Meyer zu Brickwedde. Umwelt, Ernährung und Gesundheit zusammen zu denken ergebe Sinn, erklärte Schwarz. Sie konstatierte bei den Verbrauchern zwar ein Umdenken bei Ernährungsfragen, aber es gebe „einen spürbaren Unterschied zwischen Wollen und Tun“. Landwirt Sauer brachte es auf den Punkt: „Am Regal endet die Moral.“ Oft würden gute Vorsätze wie „regional und saisonal“ an der Ladentheke vergessen, und der Preis entscheide über den Kauf. Auch beim Kochen schalteten viele auf „Autopilot“ und setzten nach wie vor auf „Fleisch mit Beilagen“, ergänzte Schwarz. So habe der hohe Fleischkonsum in den vergangenen Jahren nur geringfügig abgenommen, während der Verzehr von Obst und Gemüse deutlich hinter den Empfehlungen herhinke.

„Die Massentierhaltung ist besser geworden“, versicherte Schwarz. Es stimme nicht, dass große Betriebe gewinnorientierter arbeiten oder weniger auf das Tierwohl achten. Auch seien junge Landwirte aufgeschlossen für Nachhaltigkeitsmaßnahmen wie Winterbegrünung, Heckenschnitt, Blühstreifen und andere Gemeinwohlaufgaben. Diese müssten allerdings vergütet werden, denn das seien Leistungen, die allen zugutekommen. Überhaupt seien die Erwartungen an die Landwirte heute deutlich höher als früher, sagte Schwarz: „Sie sollen Lebensmittel zu erschwinglichen Preisen produzieren und gleichzeitig hohe Qualitätsstandards erfüllen.“ Dazu komme ein hoher Bürokratieaufwand. „Die Unsicherheit bei Landwirten ist heute groß.“

„Wir müssen uns als Betriebe verändern und an den Markt anpassen“, erklärte Sauer. Er geißelte die Marktmacht des Handels, der zu 85 Prozent von vier großen Konzernen dominiert werde. Sauer hatte nach dem Motto „saisonal und regional“ einige Zeit auf fränkische Himbeeren und Brombeeren gesetzt. „2022 haben wir dann die Reißleine gezogen.“ Die Verbraucher hätten lieber zu den etwas günstigeren Angeboten aus Spanien oder Marokko gegriffen. „Schuld ist daran aber nicht der Verbraucher, sondern das System im Handel. Es geht nur noch um Marktanteile.“ Nun baue er im großen Stil Pfingstrosen an, die er mit seinem Team weltweit vermarkte. Ihm sei wichtig, seinen Betrieb weiterzuentwickeln, ohne auf die großen Konzerne angewiesen zu sein. „Für mich ist das der richtige Weg.“

„Es gibt Fahrpläne für den Umbau der Landwirtschaft, und die sollten wir umsetzen“, sagte Hirsch mit Blick auf die Empfehlungen der beiden Expertenkommissionen. „Wir brauchen die Transformation der Landwirtschaft“, also einen grundlegenden Wandel hin zu einem nachhaltigen, umweltfreundlichen und krisenfesten Agrarsystem. Dieser Umbau müsse allerdings bezahlt werden. Sie verwies darauf, dass dieser Prozess nicht einfach sei. „Die früher bestehenden regionalen Strukturen sind zugunsten von großen Einheiten zerstört worden.“ Ihr ernüchterndes Resümee: „Mit Lebensmitteln ist es heute schwer, Geld zu verdienen.“

In der regen Aussprache wurden Erfahrungen mit der Entwicklung eines Betriebs ebenso geteilt wie Kritik etwa am Begriff Nachhaltigkeit oder der Politik. Andere blickten optimistisch in die Zukunft: „Wenn wir uns ändern, ändert sich auch die Politik.“ Einig waren sich alle, dass für die notwendigen Veränderungen ein langer Atem notwendig sei. Bis dahin könne jeder an seinem Ort verantwortungsbewusst handeln, sagte Schwarz: „Unser Vorbild hat Nachwirkungen.“

Vor dem Gesprächsabend feierte KLB-Landvolkseelsorger Wolfgang Scharl in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt eine Wort-Gottes-Feier zu Mariä Lichtmess mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.